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Pflege - Service - Die Saiten - Der Bogen - Der Steg und Stimmbock - Wirbel - Der Korpus - Schulterstütze - Kinnhalter - Neukauf eines Instrumentes - Saitenhalter

Pflege: Jedes Instrument sollte nach dem Spielen abgewischt werden. Dazu verwendet man ein weiches Tuch, um Kratzer im Lack zu vermeiden. Reinigungsmittel, vor allem solche auf Alkoholbasis dürfen nicht mit dem Lack in Verbindung gebracht werden; diese greifen den Lack an und ruinieren die glatte Oberfläche. Gerade bei wertvollen Instrumenten ist der Lack sehr empfindlich und es kann leicht eine Wertminderung entstehen. Es gibt geeignete Reinigungsmittel, die aber, bei nicht sachgemäßem Auftragen, einen öligen Film hinterlassen. Ich poliere den Lack mit einer Spirituspolitur auf, wodurch für lange Zeit eine hochglänzende Oberfläche entsteht, die einfach mit einem weichen und trockenen Tuch abgewischt werden kann. Auch sollte man das Instrument in ein geeignetes Tuch (z.B. altes Kopftuch) einschlagen und so im Etui lagern, um Beschädigungen durch Bogen oder sonstiges Zubehör zu vermeiden.



Service: Einmal im Jahr sollte ein Instrument begutachtet werden. Ich biete meinen Kunden kostenlos dieses jährliche Service an. Dabei kontrolliere ich alle Leimstellen, die Wirbel, Stimmstock und Steg und die Saiten. Sollte ein Schaden festzustellen sein kann ich entweder sofort oder, wenn möglich, zu einem späteren Zeitpunkt eine Reparatur anbieten und durchführen. Wenn möglich nehme ich auch gerne auf Konzerte und andere persönlich Umstände der Kunden Rücksicht, um rasch einen anstehenden Schaden zu beseitigen.



Die Saiten: Der Aufbau einer Saite besteht aus einem Kern und der Umspinnung. Der Kern ist aus Darm, Kunststoff oder Stahl (dieser kann Draht oder Kabel sein). Die Umspinnung ist aus verschiedenen hochwertigen und zylindrisch geschliffenen Metallen wie Aluminium, Silber, Silber – Goldlegierungen, Wolfram, Kupfer oder anderen seltenen Edelmetallen.

An Steg und Obersattel entsteht besonders starke Reibung, und daher entstehen dort die meisten Verletzungen der Umspinnung. Diesen kritischen Rissstellen kann man durch ein wenig Graphit abhelfen, den man mit einem Bleistift in die Kerbe aufträgt. Aber auch durch längere Fingernägel kann an den Griffstellen die Bespinnung verletzt und damit die Saite beschädigt werden. Wenn man diese Fehler nicht bald behebt kommt es zu Tonqualitätsverlust und letztendlich zum Reißen der Saite.

Manche Saiten haben zum Schutz ein Röhrchen, damit diese nicht in den Steg einsinkt und beim Knick über den Steg Schaden nimmt. Wollen sie diesen Schutz nicht, so entfernen sie das Röhrchen vollständig und schieben es nicht nur Richtung Saitenhalter. Dadurch entsteht ein oft unerklärliches Sirren, das sie zunächst nicht orten können. Schon oft habe ich solche Mängel sofort beheben können.

In meiner Werkstatt führe ich ein großes Sortiment an verschiedenen Saiten für jede Art des Gebrauchs, vom Anfänger bis zum Solisten. Sonderwünsche zu bestimmten Fabrikaten und Stärken suche ich wenn möglich zu erfüllen.

Schaden richtet auch eine kreuz und quer über den Wirbel aufgezogene Saite, die eine potentielle Reißstelle darstellt. Ist die Saite zu lang und passt nicht in den Raum zwischen Wirbelloch und Kastenwand, so kann man zwei bis drei Windungen auf die andere Seite legen, dann über die Wicklung und im Anschluss zur Wirbelkastenwand hin aufziehen. Die letzten zwei Windungen müssen unbedingt ohne Kreuzung liegen.

Wichtig ist auch die richtige Saitenlänge. Für jedes Instrument gibt es die richtigen Dimensionen; auf eine ½ Geige gehören ½ Saiten. Sie ziehen auch nicht eine Cellosaite auf eine Bratsche! Oder?



Der Bogen: Die Bogenstange ist meistens aus Brasilholz oder seiner besten Unterart, dem Fernambuk (Brasilholz aus der Provinz Pernambuco in Brasilien). Dabei ist die Stange in der Längsrichtung gerade und gegen die Haare gebogen, wobei der tiefste Punkt im oberen Drittel der Stange die Haare gerade berühren soll. Nach dem Spielen muss der Bogen entspannt werden, damit die Stange nicht krumm und damit wertlos wird.

Leichte Krümmungen im Bogen kann man durch nachbiegen wieder in seine ursprüngliche Form bringen, bei billigen Bogenstangen hält diese Korrektur aber nur relativ kurz an und der Bogen wird bald wieder an der gleichen Stelle verformt.

Die Bespannung selbst sind Haare vom Schweif des Pferdes, die Besten werden vom sibirischen Hengst oder Mustang gewonnen. Stutenhaare sind als Bogenhaare ungeeignet, da der Stuten-Urin auf Grund der Anatomie diese benetzt und sie damit spröde werden und leicht reißen. Das Haar hat, wie ein Schachtelhalmbaum, Schuppen, an denen das Kolophonium haftet und damit die Saiten zum Schwingen gebracht werden.

Mit den Fingern sollte man die Haare nicht berühren, denn dadurch wird Schmutz, vor allem Fett und Schweiß abgelagert, und somit kann der Bogen in der Folge nicht mehr richtig die Saite greifen und es entstehen Pfeiftöne, wenn der Bogen durchrutscht. Länger gespielte Haare haben abgeschabte Schuppen, das Kolophonium klumpt am Haar und es kann auch kein guter Ton mehr erzeugt werden. Auch zu viel Kolophonium ist nicht gut, da kratzende Nebengeräusche entstehen.

Sehr verschmutzte Bogenhaare kann man auswaschen, wenn die Haare nicht zu sehr abgespielt sind. In regelmäßigen Abständen sind daher die Bogenhaare auszuwechseln, das ist das Neubeziehen.

Der Frosch hat eine Messingmutter, die mit dem Beinchen mit der Gewindestange aus Stahl gespannt wird. Mit der Zeit nutzt sich die Mutter ab und muss ersetzt werden um den Bogen wieder spannen zu können.

Am Frosch und der Spitze des Bogens sind die Bogenhaare mit einem Holzkeil angebracht. Diese sind in der Regel nur fest eingekeilt und nicht eingeleimt, denn durch eine Leimung kann, beim Neubeziehen und Entfernen der Keile, das Holz der Stange und des Frosches verletzt werden.

Lose Bogenhaare darf man nicht abreißen, diese werden mit einem scharfen Messer abgeschnitten. Da die Haare im Kasten an der Spitze und im Frosch abgebunden sind könnte durch das Herausreißen diese Bindung locker werden und alle Haare fallen aus. In diesem Fall muss der Bogen neu bezogen werden.



Der Steg und Stimmstock: Der Steg überträgt die horizontale Schwingung der Saite auf die Decke. Dazu ist es wichtig, dass die Stegfüße ganz genau auf die Decke angepasst sind. Auch muss der Steg die richtige Wölbung haben, damit jede Saite einzeln angespielt werden kann, darf aber nicht zu gewölbt sein, damit die Saitenlage in der Mitte nicht zu hoch ist. Dadurch entsteht in den höheren Lagen zu viel Druck und die Intonation wird nicht rein. In der Mitte, der Brust, ist der Steg am stärksten, gegen den Rand wird er dünner; auch bei den Saiten ist er dünn, damit die Schwingung der Saiten optimal aufgenommen werden kann. Zu dünne Stege kreischen, zu dicke dämpfen die Schwingungen ab.

Der Steg steht mit der Hinterseite (zum Saitenhalter hin) im rechten Winkel zur Decke. Das ist insofern wichtig, damit die Winkelhalbierende (über dem Griffbrett ist die Saitenlage flacher, zum Saitenhalter hin steiler) der Saiten genau durch die Stegmitte auf die Decke wirken kann (auf die Mensurlinie). Durch öfteres Stimmen vor allem von Kunststoff- und Darmsaiten wird der Steg langsam Richtung Griffbrett verzogen und muss immer wieder kontrolliert und nachjustiert werden.

Bleibt ein krummer Steg zu lange unter Spannung wird er krumm und verliert neben der Festigkeit auch die Schwingungsfähigkeit. Ein alter Steg muss zur Erhaltung guter Klangeigenschaften ersetzt werden, der Musiker gewöhnt sich im Laufe der Zeit an die verminderte Tonfülle und ist dann erstaunt über die wohlklingende Veränderung nach einem Ersatz. Man sollte aber beachten, dass nach einem neuen Steg das Instrument erst wieder ein paar Tage eingespielt werden muss um die volle Wirkung zu erreichen.

Der Stimmstock, oder auch die Seele des Instrumentes wie die Engländer sagen, ist einer der wichtigsten, aber auch unscheinbarsten und am wenigsten beachtete Teil der Streichinstrumente. Dieser ist wichtig für die Korpusresonanz, wobei die Decke und der Boden gegeneinander schwingen. Die Schwingung der Saite versetzt den Steg in eine Dreh- Kippbewegung, die einmal den Stimmstock belasten und den Bassbalken entlasten. Dadurch wird durch den Stimmstock der Boden hinunter gedrückt und das Volumen im Instrument wird größer. Die andere Bewegung entlastet den Stimmstock und den Boden, belastet aber den Bassbalken, wodurch das Volumen im Korpus kleiner wird. Diese Bewegungen sind nur minimal, was auch eine sehr feine Stärkenbearbeitung der schwingenden Platten Boden und Decke bedingt. Nur wirklich gut ausgearbeitete Platten garantieren eine optimale Klangentfaltung eines Instrumentes.

Der Stimmstock steht üblicherweise eine halbe Stimmstockstärke hinter dem rechten Stegfuß und muss auch die richtige Stärke haben. Zu starke oder dünne Stimmstöcke, ebenso die Position zu nahe oder zu weit weg vom Steg verändern den Klang enorm. Allerdings kann bei alten Instrumenten die richtige Position von der Norm abweichen und muss individuell in Abständen von ein paar Tagen verändert und eingestellt werden. Gerne übernehme ich in Zusammenarbeit mit dem Musiker diese Feinabstimmung.

Ein nicht optimal an Boden und Decke angepasster Stimmstock verursacht nicht nur im Inneren des Instrumentes Löcher, er ist auch eine potentielle Gefahr für Stimmrisse. Der kleinste Schlag auf den Steg kann einen Stimmriss an Decke und noch schlimmer am Boden verursachen, der nur durch eine aufwändige Reparatur mittels eines Stimmfutters behoben werden kann. Solche Reparaturen sind für mich immer eine große Herausforderung und oft ergibt sich auch eine Klangverbesserung, da ja vorher das Instrument nicht optimal eingestellt war.



Wirbel: Diese sind für die Intonation wichtig. Wirbel haben eine Konus, wodurch sie selbständig unter leichtem Druck im Wirbelkasten halten. Bei lange nicht gespielten Instrumenten sind diese Reibestellen eingetrocknet, aber auch 2-mal im Jahr, beim Heizperiodenanfang und –ende ergeben sich kritische Momente, wo die Wirbel durch die veränderte Luftfeuchtigkeit durchrutschen oder klemmen.

Diesem Mangel kann ich in ein paar Minuten um wenig Geld durch einkreiden mit einer Wirbelseife Abhilfe verschaffen. Früher hat man einen steileren Konus verwendet, der dem Zug der modernen Saiten nicht mehr gewachsen ist. Dann muss man die Wirbel austauschen, was ich meist ohne großen Aufwand in kurzer Zeit erledigen kann.

Aufwändig wird so ein Austausch dann, wenn die alten Wirbel schon sehr dick waren und die Wirbellöcher ausgebuchst werden müssen. Dabei wird das alte Wirbelloch ausgerieben, mit Buchsbaum ausgesetzt und anschließend neu gebohrt. Dabei kann auch gleichzeitig eine Verlegung der oft falsch eingesetzten Wirbel vorgenommen werden. Meistens liegt die A – Saite am D – Wirbel auf und scheuert sich ab, wodurch die Saite reißt. Seltener geschieht dies beim E – Wirbel, ist aber auch schon vorgekommen.

Üblicherweise sind die Wirbel aus Ebenholz. Dieses Material ist sehr hart und hat die längste Lebensdauer. Schwarz gebeizte Hartholzwirbel sind zu weich und bekommen Rillen und Stufen, die den Wirbel wieder aus dem Loch herausdrücken und Probleme verursachen. Wirbel aus Buchsbaum, Palisander und ähnlichen Hölzern sehen zwar gut aus und passen gerade zu sehr dunklen Instrumenten, bringen aber mit der Zeit die gleichen Probleme. Auch ist das Holz öliger als das ganz trockene Ebenholz und neigt gerade bei feuchter Witterung und in Kirchen bei kalten Temperaturen zum Durchrutschen. Die Probleme bei Konzerten kann man sich lebhaft vorstellen.

Ein weiteres Problem ergibt sich im Laufe der Zeit durch Wirbel, die sich immer weiter in den Wirbelkasten hineindrücken. Dadurch gerät das Loch, durch das die Saite gezogen wird an den Rand des Wirbelkastens oder sogar hinein, wodurch auch der Wirbel wieder herausgedrückt wird und der Wirbel nicht hält. Hier schneide ich den Wirbel wenn möglich ab, passe ihn nach und bohre ein neues Loch, und der Missstand ist für lange Zeit behoben.

Beachten Sie auch die Hinweise beim Saitenaufziehen unter der Rubrik „Saiten“.



Der Korpus: Durch den Gebrauch eines Streichinstrumentes entstehen am Korpus oft Stellen, wo bei Decke und Boden die Leimung aufgeht. Dies geschieht durch Wärme (Schweiß) am Kinnhalter (Hals) und rechts vom Griffbrett (Handhaltung). Da in der Regel die Instrumente mit Warmleim zugeleimt sind können sich diese Stellen leicht lösen; durch eine einfache Leimung kann ein Scheppern leicht behoben werden. Allerdings muss ich die Zwingen über Nacht angezogen lassen, um ein Aushärten des Leimes abzuwarten.

Oft ist auch der Lack am Rand und die Zarge an diesen Stellen durch starkes Schwitzen der Hand beschädigt und muss in einer mehrtägigen Retusche ausgebessert werden. Durch Händewaschen, bei Jugendlichen in der Pubertät, wo oft vermehrtes Schwitzen auftritt, kann dieses Risiko vermindert werden.

Durch den Bogenfrosch kann leicht der Mittelbogen verletzt oder gar eine Ecke abgeschlagen werden. Dann setze ich diese Stelle aus, leime die Ecke wieder an (soweit dieses Teil auffindbar ist) oder setze eine neue Ecke an. In der Regel kann ich diese Schäden, ohne dass man sie nachher erkennen kann, reparieren.



Schulterstütze: Ich habe in meiner Werkstatt mehrere verschiedene Schulterstützen, die ich je nach individuellem Körperbau des Musikers anpassen kann. Gerne berate ich meine Kunden über Vorzüge und Nachteile der einzelnen Produkte.



Kinnhalter: Etwa 30 verschiedene Kinnhalter habe ich auf Lager, auch in verschiedenen Materialien, sodass meine Kunden das passende Modell für ihr Instrument finden werden. Auch sollte ein Kinnhalter die Haut unter dem Kinn nicht einklemmen, wodurch der unschöne „Geigenfleck“ entsteht. Bei mir können sie einen passenden Kinnhalter gerne ein paar Tage ausprobieren und bei nicht optimalem Sitz gegen ein anderes Modell umtauschen.
Durch falsche Montage kann der Kinnhalter den Saitenhalter oder die Decke berühren, wodurch ein unangenehmes Klirren entsteht. Durch Versetzen und Festdrehen der Schrauben kann dem abgeholfen werden.



Neukauf eines Instrumentes: Ob Sie ein neues oder gebrauchtes oder aber ein komplett überholtes Instrument anschaffen wollen, bei mir bekommen Sie die nötigen Entscheidungshilfen. Dabei lege ich Wert auf Beratung über Vor- und Nachteile der verschiedenen Instrumente, unabhängig und neutral zu den Kosten und der Herkunft. Meine Kunden müssen sich ein Instrument leisten können, wenn möglich biete ich auch gerne einen zinslosen Ratenkauf oder Leasingmöglichkeit an.

Sammlerstücke zu überhöhten Preisen suchen Sie bei mir vergebens, dafür müssen Sie sich bitte an Auktionshäuser oder Händler im Ausland wenden.

Es gibt genügend Instrumente, die gut klingen und erschwinglich sind. Dabei kann durchaus ein neues Instrument besser als ein altes sein, sie müssen sich allerdings die Mühe machen, dieses mehrere Jahre einzuspielen. Ich kann leider in ein neues Instrument nicht die vielen notwendigen Jahre Einspielzeit einbauen. Ein Kleinkind muss auch erst Gehen lernen und gewinnt nicht gleich einen Marathonlauf.

Gerne berate ich Sie auch, wenn Sie mit einem Instrument kommen, das Sie zum Kauf angeboten bekommen haben. Dabei überprüfe ich es gleich auf Funktionstüchtigkeit und erstelle gerne einen Kostenvoranschlag für evtl. notwendige Reparaturen, falls nicht alles in Ordnung ist. Danach können Sie entscheiden, ob der Kaufpreis und die eventuell anfallenden Kosten mit dem Wert übereinstimmen.



Saitenhalter: Es gibt eine Vielzahl an Saitenhaltern aus Holz, Kunststoff und Metall. Für Anfänger sind Feinstimmsaitenhalter am geeignetsten, wobei alle Saiten durch einen eingebauten Feinstimmer genau gestimmt werden können.

Geübte Geiger verwenden meist nur einen Feinstimmer für die E–Saite, die übrigen Saiten werden durch die Wirbel gestimmt. Je mehr einzelne Feinstimmer sie auf ihrem Saitenhalter montiert haben, desto höher wird das Gewicht, es entstehen Klirrfaktoren durch lockere Montage oder zu weit herausgedrehte Stellschrauben (dasselbe gilt auch für Feinstimmsaitenhalter).